Was lange währt…

…wird manchmal tatsächlich gut. Zum Beispiel währte George W. Bush 10 Jahre und es wird tatsächlich in der Hinsicht gut, daß er nach 10 Jahren nicht mehr in der Regierung verweilt. Aber gut, das war aufgrund der Verfassung der USA natürlich absehbar. Nicht ganz so absehbar ist derzeit noch, ob der nächste Präsident der USA konservativ, republikanisch, weiss und alt oder halbwegs liberal, demokratisch, schwarz und relativ jung sein wird. Morgen sollte die Welt darüber allerdings Gewissheit haben, es sei denn die Amerikaner wählen wieder mit zu knappem Vorsprung für einen der Kandidaten, so daß der eigentliche Verlierer die Wahl noch zu seinen Gunsten drehen kann. Aber davon ist derzeit eigentlich nicht auszugehen, die ersten republikanischen Hochburgen sind gefallen und Barack Obama scheint der mächtigste Mann der Welt zu werden. Zumindest politisch, denn es gibt noch etwas, was schon lange währt: der Präsident der USA ist gegenüber der Wirtschaft genauso machtlos wie der/die Bundeskanzler/in hierzulande.

Wobei sich ja auch dort gerade etwas tut, Ackermännchen kann seine Verluste nicht vom Bund ausgleichen lassen, denn dann müsste er ja auf sein wahnwitziges Gehalt verzichten. Wobei das Grundgehalt ja gar nicht so unglaublich hoch ist, er bekommt nur immer nochmal das 15-20fache an Prämien hinterhergeworfen, wenn er wieder mal eine vierstellige Anzahl Mitarbeiter entlassen und dadurch die Gewinne der Deutschen Bank nochmal anheben kann. Viele andere Banken müssen dagegen vor der Kanzlerin zu Kreuze kriechen und auf große Teile ihres Einkommens verzichten. Daß sie allerdings nur dadurch ihren Job retten und damit überhaupt noch was bekommen, steht auf einem anderen Blatt Papier. Denn ich kann mir kaum vorstellen, daß irgendeine Bank bei der derzeitigen Lage bereit ist, bei einem anderen hochverschuldeten Kreditinstitut einen Kredit aufzunehmen, um einem scheidenden Vorstandsmitglied eine völlig überzogene Abfindung zu zahlen, damit der Arme nach Jahren mit siebenstelligem Einkommen nicht am Hungertuch nagen muss, bis er nach spätestens zwei Monaten einen neuen hochdotierten Job hat. Zwei Monate von nur wenigen Millionen Rücklagen zu leben ist kaum zumutbar, vor allem gäbs mit den Ersparnissen nicht mal mehr was vom Arbeitsamt dazu, wie soll so ein plötzlich und völlig unverschuldet entlassener Topmanager da überleben?

Aber kommen wir zu anderen Dingen, die lange währen. Ich las heute, daß die „Kohlsubventionen um 507 Millionen Euro gekürzt“ würden. Inzwischen ist der lustige Tippfehler bei tagesschau.de berichtigt, aber dennoch erfüllte mich erst ein schrecklicher Verdacht: die lassen den Helmut verhungern! Aber entgegen meiner ersten Aufregung wird der Dicke weiterhin mit Saumagen vollgestopft, stattdessen müssen NRW und der Bund die Steinkohle weniger subventionieren als bisher, da die Preise auf dem Weltmarkt so stark angezogen haben. Geht doch!

Ebenfalls gut: sinnlose Effekthascherei im Bundestag. Da sich wieder mal der 9. November nähert, an dem die Deutschen nicht nur die Mauer, sondern 51 Jahre davor besonders jüdische Läden, Einrichtungen und auch Menschenleben abrissen, verabschiedete der Bundestag heute einen Antrag, der jede „Form des Judenhasses und des Antisemitismus“ strikt ablehnt. Wenn man mal davon absieht, daß wir 2008 haben und Juden in Deutschland weitestgehend unbehelligt leben können, dieser Antrag an sich also so wertvoll wie eine Maxfieldaktie ist, ist es wieder mal erstaunlich wie gut die Linksparteireflexe bei einigen Parlamentariern noch funktionieren. Die CDU-Fraktion wollte eine Beteiligung der Linkspartei an diesem Antrag nicht zulassen, da man in der Linkspartei einige „antisemitische Kräfte“ ausmachen könne. Nun weiss ich nicht, wie lange das durchschnittliche CDU-Fraktionsmitglied in der Schule oder gar der Politik vor sich hin währte, um letztlich zum guten MdB zu werden, aber ich hatte bisher immer das Gefühl, daß Linke tendentiell (wir klammern linksfaschistische Regime mal aus) eher weniger Probleme mit Juden und generell Minderheiten haben. Aber wahrscheinlich hab ich da was falsch verstanden, hoffe die Union erklärt das noch.

Und nicht nur gut, sondern überirdisch und überhaupt am bestigsten: nachdem dieses Blog lange in der Warteschleife währte, hab ich es gestern endlich richtig entjungfert. Wie geil ich bin!

Das Yps-Gimmick

Ja, wer kennt es nicht, das allseits beliebte Yps-Gimmick aus der gleichnamigen Zeitschrift? Ja gut, alle jüngeren Leser werden mit fragender Hackfresse vor dem Monitor kleben.

Der/die/das Yps war ein Comicheft, dem immer tolle Gimmicks beilagen. Die mächtigen Urzeitkrebse dürfte wohl jeder kennen, dessen Alter zweistellig ist und mit einer 2 beginnt, es gab diverse Agentenausrüstungsteile, Überlebensausrüstung, Zaubertricks, tote Tropen-Schmetterlinge oder lustige kleine Apparate, mit denen man Geld drucken oder besser kopieren konnte. Dazu die Geschichten von Yps, dem Känguruh, oder Yinni und Yanni, Baupläne und Bastelvorlagen en masse usw. Yps war toll und regte die Kreativität an.

Während man nun meinen könnte, daß ich hier Werbung für ein – meines Wissens – inzwischen totes Heft machen möchte, geht das Ding hier eigentlich in eine ganz andere Richtung. Yps war nämlich nicht nur kreativ und witzig, sondern vor allem spannend. Genau diese Spannung bescherte uns dieser Tage auch Frau Yps. Also Ypsilanti. Und genau wie wir damals nicht mehr wussten, wie diese geilen Urzeitkrebse (zugegeben ziemlich sinnloser Müll) noch zu toppen wären, wusste Frau Ypsilanti sicher nicht, daß ihre Parteimitglieder nach der doch recht überzeugenden Abstimmung auf dem Parteitag noch für richtig viel Entertainment sorgen würden. So begab es sich also am 3. November 2008, just dem Tag, an dem mein drittes Lebensjahrzehnt in sein letztes Viertel ging, daß 4 Abgeordnete der hessischen SPD vor die Presse traten und nicht etwa ihre Verzückung über eine Minderheitsregierung mit Hilfe der Linkspartei kundtaten, sondern Frau Ypsilanti schlicht und einfach unsanft auf die Schnauze fielen ließen. Dachte ja ich hätte bei Heide Simonis damals den Gipfel der Peinlichkeit erlebt, aber die Nummer in Hessen ist tatsächlich noch ein Stück geiler.

Angetreten war die SPD öffentlich mit einem großen Ziel: Roland Koch muss weg. Das Ziel war zum Greifen nahe, hätte die SPD sich schlau verhalten, statt wieder mal der Verlockung der Dienstwagen und gemütlicheren Plätze im Landtag zu erliegen. Koalitionsverhandlungen mit der CDU, Androhung einer Minderheitsregierung, falls Koch nicht abgesägt wird. Die SPD hätte komplett mitgezogen, da sie zu dem Zeitpunkt nicht akut von der Zusammenarbeit mit der Linken bedroht gewesen wäre, die Linken ihrerseits hätten mitgezogen, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren, denn auch ihr erklärtes Ziel war das Ende der „Ein Koch verdirbt den Brei“ Ära. Die Grünen hätten in der Hoffnung, doch noch irgendwie mitregieren zu dürfen, sowieso alles versprochen. Das Druckszenario wäre perfekt gewesen und Koch damit maximal Hinterbänkler in einer großen Koalition geworden. Doch Frau Ypsilanti zog den direkten Weg zum Nichtregieren vor, suchte links und bei den Grünen Hilfe bei der Bildung der Minderheitsregierung und vergaß dabei ihre eigene Partei. Damit hat sie nun naturgemäß jedes Druckszenario verspielt, eine Koalition mit der CDU ist nur noch mit Koch möglich, will die SPD also noch die letzten vernarbten Reste ihres Gesichts wahren, bleiben nur Neuwahlen. Und die wird die SPD natürlich dank der Zurschaustellung ihrer Unfähigkeit haushoch verlieren. Dazu möchte ich herzlich gratulieren, natürlich nur Frau Simonis, die nun endlich nicht mehr die größte politische Peinlichkeit des Jahrzehnts für sich verbuchen muss. Das ist  wirklich mal ein ganz besonderes Gimmick.

Juten Tach!

Jaha, da bin ich wieder. Neu bei WordPress, Gemurksens Seite sah einfach zu gut aus. Was werd ich hier tun? Das gleiche wie immer: Mist verzapfen. Eine Prise Zynismus, ein paar Tröpfchen Ironie, ein Schlückchen Sarkasmus, dazu ein Häppchen Wortspiele und gewürzt wird das ganze mit meinem widerstehlichen Charme. Obendrauf geistige Umnachtung einiger Leser und fertig is der Untergang des Abendlandes. In diesem Sinne wenig Spaß und noch weniger Vergnügen.