Da gibts nix von Ratiopharm

Tja, was man soll man dazu sagen. Unternehmer Adolf Merckle springt vor den Zug und stirbt. Er hat sich schlicht und einfach verzockt. Kurioserweise scheiterte er allerdings nicht an der Finanzkrise an sich, sondern in einem Moment, als der erste Crash eigentlich vorbei war. Er kaufte VW-Aktien als diese explodierten und verpasste den Moment, um sie wieder loszuwerden. Er verpasste quasi den Zug. Nach eigener Aussage war ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag weg, Branchenkenner tippten auf 700 Millionen bis eine Milliarde. Wieviel es auch immer war, die ohnehin schon stark belasteten Unternehmen von Merckle konnten diesen Schlag nicht mehr aus eigener Kraft wegstecken. In diesem Moment tat Merckle etwas, was wohl jeder in seiner Situation tun würde. Er ging zur Bank und verlangte einen Kredit zur Überbrückung. Aber die Banken waren durch die Krise verunsichert und weigerten sich, was Merckle wiederum zu einem Schritt drängte, den ich eigentlich als genial empfand. Er stellte sie vor die Wahl: entweder Kredit oder seine Holding geht in die Insolvenz. Nicht nur, daß dabei alle laufenden Kredite größtenteils verloren gewesen wären für die Banken, die Banken hätten auch noch richtig geblutet, da sie ja allesamt in seine Holding investiert hatten. Plötzlich waren sie gesprächsbereit und es schien eigentlich so, als wäre das Merckle Imperium gerettet. Dann allerdings tauchte die Bank of Scotland auf und spielte nicht mit. Wieder gab es ein hin und her und wieder setzte Merckle sich durch. Was danach noch passiert ist, weiss man nicht. Auf jeden Fall hat er irgendwann den Glauben daran verloren, daß er sein Unternehmen noch retten kann und sich für eine kurze aber heftige Fahrt mit der Bahn entschieden.

Ich bin nun hin- und hergerissen. Einerseits wünscht man sich dieser Tage ja, daß Manager in verantwortlichen Positionen konsequent sind oder wenigstens vom Blitz erschlagen oder eben vom Zug überrollt werden. Auf der andern Seite erscheint es mir feige, sich genau in diesem Moment derart aus der Verantwortung zu stehlen. Und dann ist da noch diese Frage, ob es denn den richtigen getroffen hat. Klar, Merckle hat einen riesigen Fehler gemacht. Aber den konnte er ja nur machen, weil die Banken sich allesamt verzockt hatten. Danach verwehrten sie ihm dann die Hilfe und unter dem Strich haben sie ihn damit auf dem Gewissen und ganz nebenbei noch tausende von Arbeitsplätzen, wenn das Imperium von Merckle nun in seine Bestandteile zerlegt wird und diese die typische Rationalisierung zur Gewinnmaximierung durchmachen. Und jetzt raten wir mal, wer daran wieder verdienen wird. Vielleicht macht ja die Deutsche Bank damit richtig Kasse und Ackermann bekommt so eine Art Kopfgeld für Merckle. Ist das jetzt wieder zu zynisch oder wie wir Zyniker sagen: realistisch?

Warum gibts gegen Banken eigentlich nichts von Ratiopharm?

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