Ja, wer kennt es nicht, das allseits beliebte Yps-Gimmick aus der gleichnamigen Zeitschrift? Ja gut, alle jüngeren Leser werden mit fragender Hackfresse vor dem Monitor kleben.
Der/die/das Yps war ein Comicheft, dem immer tolle Gimmicks beilagen. Die mächtigen Urzeitkrebse dürfte wohl jeder kennen, dessen Alter zweistellig ist und mit einer 2 beginnt, es gab diverse Agentenausrüstungsteile, Überlebensausrüstung, Zaubertricks, tote Tropen-Schmetterlinge oder lustige kleine Apparate, mit denen man Geld drucken oder besser kopieren konnte. Dazu die Geschichten von Yps, dem Känguruh, oder Yinni und Yanni, Baupläne und Bastelvorlagen en masse usw. Yps war toll und regte die Kreativität an.
Während man nun meinen könnte, daß ich hier Werbung für ein – meines Wissens – inzwischen totes Heft machen möchte, geht das Ding hier eigentlich in eine ganz andere Richtung. Yps war nämlich nicht nur kreativ und witzig, sondern vor allem spannend. Genau diese Spannung bescherte uns dieser Tage auch Frau Yps. Also Ypsilanti. Und genau wie wir damals nicht mehr wussten, wie diese geilen Urzeitkrebse (zugegeben ziemlich sinnloser Müll) noch zu toppen wären, wusste Frau Ypsilanti sicher nicht, daß ihre Parteimitglieder nach der doch recht überzeugenden Abstimmung auf dem Parteitag noch für richtig viel Entertainment sorgen würden. So begab es sich also am 3. November 2008, just dem Tag, an dem mein drittes Lebensjahrzehnt in sein letztes Viertel ging, daß 4 Abgeordnete der hessischen SPD vor die Presse traten und nicht etwa ihre Verzückung über eine Minderheitsregierung mit Hilfe der Linkspartei kundtaten, sondern Frau Ypsilanti schlicht und einfach unsanft auf die Schnauze fielen ließen. Dachte ja ich hätte bei Heide Simonis damals den Gipfel der Peinlichkeit erlebt, aber die Nummer in Hessen ist tatsächlich noch ein Stück geiler.
Angetreten war die SPD öffentlich mit einem großen Ziel: Roland Koch muss weg. Das Ziel war zum Greifen nahe, hätte die SPD sich schlau verhalten, statt wieder mal der Verlockung der Dienstwagen und gemütlicheren Plätze im Landtag zu erliegen. Koalitionsverhandlungen mit der CDU, Androhung einer Minderheitsregierung, falls Koch nicht abgesägt wird. Die SPD hätte komplett mitgezogen, da sie zu dem Zeitpunkt nicht akut von der Zusammenarbeit mit der Linken bedroht gewesen wäre, die Linken ihrerseits hätten mitgezogen, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren, denn auch ihr erklärtes Ziel war das Ende der „Ein Koch verdirbt den Brei“ Ära. Die Grünen hätten in der Hoffnung, doch noch irgendwie mitregieren zu dürfen, sowieso alles versprochen. Das Druckszenario wäre perfekt gewesen und Koch damit maximal Hinterbänkler in einer großen Koalition geworden. Doch Frau Ypsilanti zog den direkten Weg zum Nichtregieren vor, suchte links und bei den Grünen Hilfe bei der Bildung der Minderheitsregierung und vergaß dabei ihre eigene Partei. Damit hat sie nun naturgemäß jedes Druckszenario verspielt, eine Koalition mit der CDU ist nur noch mit Koch möglich, will die SPD also noch die letzten vernarbten Reste ihres Gesichts wahren, bleiben nur Neuwahlen. Und die wird die SPD natürlich dank der Zurschaustellung ihrer Unfähigkeit haushoch verlieren. Dazu möchte ich herzlich gratulieren, natürlich nur Frau Simonis, die nun endlich nicht mehr die größte politische Peinlichkeit des Jahrzehnts für sich verbuchen muss. Das ist wirklich mal ein ganz besonderes Gimmick.
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